4. Mai 2018

Rede zur Verleihung des Rosa Courage-Preises an Elfi Scho-Antwerpes

Es gilt das gesprochene Wort.

Sehr geehrte Frau Bürgermeisterin und Preisträgerin der diesjährigen Verleihung des „Rosa Courage-Preises“, liebe Frau Elfi Scho-Antwerpes,
sehr geehrter Herr Beckermann, Vorstand der Stadt Osnabrück für Schule, Kultur, Soziales und was sonst noch so wichtig ist in dieser Stadt,
lieber Hans Hengelein vom Nds. Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung,
sehr geehrte Ratskollegin und Organisatorin von „Gay in May“, Frau Dr. Diana Häs,
liebe Landtagskollegen, liebe Ratsmitglieder, lieber Stephan Haller vom Vorstand des Gay in May e.V.,
meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Gäste,

zum vierten Mal wird mir heute die Ehre zuteil, Sie ganz herzlich im Namen des Rates und der Verwaltung sowie unseres Oberbürgermeisters Wolfgang Griesert im Friedenssaal des historischen Ratshauses zur 27. Verleihung des Rosa Courage-Preises willkommen zu heißen. Ich freue mich sehr darüber, erneut die Begrüßungsrede dieser mit abwechslungsreichen Programmpunkten gespickten Veranstaltungsreihe halten zu dürfen. Der unmittelbar anstehende Höhepunkt ist nun ohne Frage die Preisverleihung an Frau Elfi Scho-Antwerpes, Bürgermeisterin der Stadt Köln.

Seit 1992 wird in Osnabrück der Rosa Courage-Preis als Würdigung für herausragenden Einsatz für die Rechte und Belange von Schwulen und Lesben an namhafte Persönlichkeiten verliehen und ich darf auf bekannte Preisträger wie unter anderem Claudia Roth, Ulricke Lunacek, Brigitte Zypries, Hella von Sinnen und Klaus Wowereit zurückblicken.

Nach Volker Beck im vergangenen Jahr wird der Preis nun dieses Jahr Ihnen zuteil, liebe Frau Elfi Scho-Antwerpes, und ich kann im Namen aller Anwesenden sagen, dass Sie diese Ehrung für Ihr langjähriges Engagement für Lesben, Schwule und Transgender mehr als verdient haben. Theodor Fontane sagte einst, „Courage ist gut, aber Ausdauer ist besser. Ausdauer, das ist die Hauptsache.“ und genau die besagte, so entscheidende Ausdauer legen Sie erfolgreich seit vielen Jahren im Kampf gegen Homophobie und Diskriminierungen sowie im Einsatz für gesellschaftliche Vielfalt und Toleranz an den Tag. Die Liste Ihrer Ehrenämter, Mitgliedschaften und Tätigkeiten ist lang und vielfältig, Ihr Engagement gegen Diskriminierungen, Hass und Gewalt groß und unermüdlich, ebenso wie Ihr Einsatz für Toleranz und Gleichberechtigung. So sind Sie seit 1988 Mitglied im Vorstand der AIDS-Hilfe in Köln, Vorsitzende im Zentrum für Frühbehandlung und Frühförderung sowie schwulen- und lesbenpolitische Sprecherin der SPD-Ratsfraktion, um nur einige Ihrer Arbeitsbereiche zu nennen und der Laudatio nicht zu viel vorwegzunehmen. Dabei folgen Sie stets Ihrem Slogan „100% Gleichstellung! Respekt statt Diskriminierung!“ und betrachten Vielfalt als Stärke in unserer Gesellschaft.

Kurzum: Sie sind eine herausragende Persönlichkeit, die Ihr Leben der vollkommenen Gleichberechtigung widmet und neben dem Bundesverdienstkreuz ab heute verdiente Trägerin des Preises der Rosa Courage ist.

Blickt man auf die Zustände in der Welt, so gibt es in Sachen gesellschaftlicher Toleranz und Vielfalt weiterhin großen Handlungsbedarf, ich denke da besonders an Länder wie Russland und die Türkei. Doch auch in Deutschland trifft man noch homophobe Positionen und Ansichten an, denen es zu begegnen gilt. Auch vor Deutschland liegt nach wie vor noch ein nicht zu unterschätzender Weg zur absoluten Gleichberechtigung, die nicht nur auf dem Papier, sondern auch in den Köpfen der Bürgerinnen und Bürgern existiert und seinen festen Platz verdient hat.

Um diesen Weg gemeinsam erfolgreich zu meistern und eventuelle Stolpersteine aus dem Weg zu räumen, zeigt die Friedensstadt Osnabrück vielfältige und anhaltende Bemühungen zur Akzeptanz unserer Werte wie Demokratie, Toleranz und Gleichheit. Als Geburtsstadt von Erich Maria Remarque und Felix Nussbaum ist Osnabrück zudem stolz, Sitz von der Deutschen Stiftung Friedensforschung sowie des Kinderhilfswerk „terre des hommes“ zu sein und Verantwortung für globale Entwicklungen zu zeigen. Bestes Beispiel dafür ist die gelungene Organisation dieses alljährlichen schwulen- und lesbischen Kulturfestivals „Gay in May“, das unter dem diesjährigen Motto „Zeit für Anerkennung mit einem bunten und abwechslungsreichem Programm aus Vorträgen, Filmen, Lesungen, Partys und Events zur Teilnahme und zum Mitmachen einlädt. Ein Blick ins Programmheft lohnt und empfiehlt sich: von Radtouren, LaserTag, Filmvorführungen und Karaoke-Partys bis hin zu Tanzkursen, Workshops und Gedenkveranstaltungen: für jeden ist etwas dabei und jeder ist willkommen.

Nun rückt die Verleihung des Rosa Courage-Preises immer näher und die Stadt Osnabrück fühlt sich geehrt, einer so engagierten Person wie Ihnen, liebe Frau Elfi Scho-Antwerpes, mittels des Preises eine Würdigung für Ihren langjährigen politischen und gesellschaftlichen Einsatz für Lesben, Schwulen, Bi- und Transsexuelle auszusprechen.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, manch einer von Ihnen mag sich erinnern, dass der Name Elfi Scho-Antwerpes im Rahmen dieser Veranstaltungsreihe nicht zum ersten Mal auftaucht, sondern genau an dieser Stelle bei meiner Begrüßungsrede im vergangenen Jahr anlässlich der Verleihung des Preises an Volker Beck bereits erwähnt wurde. Grund dafür war Ihre engagierte Rede gegen die Absetzung des Tagesordnungspunktes 5 „Ehe für gleichgeschlechtliche Paare“ bei der Bundestagsdebatte vom 17. Mai 2017, die zwar leider nicht die ihr eigentlich zustehende Zustimmung von der Großen Koalition bekam, dafür aber im Internet zu Recht gefeiert wurde und eine überwiegend positive Resonanz erhielt.

Ihr damaliger Leitspruch „Vielfalt ist Normalität, es gibt keine Liebe zweiter Klasse“ hat bis heute nichts an Aktualität und Wichtigkeit verloren, sondern vielmehr noch an Gewicht und Relevanz gewonnen. Sie wiesen in Ihrer Rede vor dem Deutschen Bundestag zu Recht darauf hin, dass 83 % aller Deutschen die Ehe für alle, gleich welchen Geschlechts, als völlig normal empfinden. In meinem Grußwort im vergangenen Jahr sagte ich daher:

„Leider konnte sich Elfi Scho-Antwerpes trotz ihrer engagierten und couragierten Rede, gehalten im Kölner Dialekt, nicht gegen ihre Fraktionskollegen der großen Koalition durchsetzen. Der Tagesordnungspunkt zur „Ehe für gleichgeschlechtliche Paare“ wurde trotz ihres Widerstands und ihrer couragierten Rede von der Tagesordnung genommen. Ich kann nur jedem einmal empfehlen, sich diesen Redebeitrag auf Facebook noch einmal anzusehen, da kommt wahre Freude auf und das nicht nur wegen der klaren Kölner Aussprache. Die Rede von Elfi Scho-Antwerpes wurde im Internet gefeiert. 619.475 Aufrufe bei Facebook, 6435 mal wurde der Redebeitrag geteilt und es gab 735 überwiegend positive Kommentare im Netz. Ich empfehle jedem von Ihnen, sich diese Rede einfach noch einmal bei Facebook anzusehen.“

Bevor wir nun zu der mit Spannung erwarteten Laudatio auf Frau Elfi Scho-Antwerpes kommen, möchte ich mich im Namen der Stadt Osnabrück bei den zahlreichen Ehrenamtlichen und Förderern des Kulturfestivals „Gay in May“ herzlichst für Ihr Engagement bedanken. Zudem wünsche ich den Veranstaltern sowie den Besucherinnen und Besuchern weiterhin abwechslungsreiche und informative Kulturtage ,die nicht nur unterhalten, sondern auch zum Nachdenken anregen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.